Die Geschichte des TV Kaldauen 1906 e.V.

Der »Caldauener Turnverein« wurde am 24. Oktober 1906 gegründet mit dem Ziel, »die Ausbildung körperlicher Kraft und Gewandtheit, sowie die Erweckung und Befestigung einer sittlich-mannhaften und vaterländischen Gesinnung seiner Mitglieder« zu bewirken, und zwar durch »Turnen, Turnfahrten, Fechten, gesellige Zusammenkünfte, Verbreitung und Verwertung turnerischer Schriften und Bücher. Alle politischen und religiösen Parteibestrebungen sind ausgeschlossen.«

 

»Das sagt die heute noch vorliegende Originalniederschrift der damals in sauberer Sütterlin-Handschrift abgefaßten Satzung. – Interessant ist dabei, daß diese Satzung mit fast unverändertem Inhalt noch in der Satzung von 1966 Bestand hatte (maschinegeschrieben, und das Fechten war weggefallen) und erst 1972 grundlegend neu formuliert wurde.«

 

Die bei Vereinsgründung 45 »ordentlichen Mitglieder:

a) Turner und b) Turnfreunde« (=Förderer) sowie »Ehrenmitglieder« wurden ergänzt durch »eine Turnschule, in welcher Jünglinge von 14-16 Jahren aufgenommen« wurden, wobei »diese Zöglinge unter besonderer Aufsicht des Vorsitzenden« standen. – 1966 war daraus eine Jugendabteilung geworden, der Jungen und Mädchen ab 10 Jahren angehörten. Dem gegenüber stand die Männerabteilung, deren Mitglieder in der Anfangszeit mindestens 25 Jahre alt sein mußten, – zu der Zeit waren Frauen überhaupt nicht vorgesehen, gehörten aber 1966 sicher dazu. – Heute (seit knapp 6 Jahren) ist sogar die 1.Vorsitzende eine Frau ...

 

Ende des 19. Jahrhunderts war in Deutschland das Turnen populär geworden, was kurz nach der Jahrhundertwende zu einer ganzen Reihe von Vereinsgründungen führte. Dieses Turnen fand dabei in (zum Teil sehr großen) Gruppen als gemeinsame Übungen statt, die durch Disziplin und Drill gekennzeichnet waren. Dabei spielte die Leistung Einzelner und das Herausragen aus der Gruppe weniger eine Rolle, war sogar eher verpönt. Ziel war Harmonie und Gemeinsamkeit, kein expliziter Einzelwettkampf, dementsprechend wurden meist nur ganze Gruppen gewertet, so errangen zum Beispiel 200 der 400 teilnehmenden Turner am Stiftungsfest in Niederpleis 1921 einen »schlichten Ehrenkranz«, die Caldauener Turner kamen stolz mit 10 gewonnenen Eichenkränzen zurück, wie der Chronist vermerkt.

 

Als Ideale des Frauensports galten zu der Zeit Anmut und Schönheit zu fördern, weshalb in Großveranstaltungen oft ganze Reigen von Gymnastik treibenden Turnerinnen mit Kränzen und Schleifen im Gleichtakt ihre Übungen vorführten.

Teilnahme an den festgesetzten Turnübungen war gemäß dieser Satzung übrigens Pflicht, denn wer »dreimal nacheinander fehlte ohne genügende Entschuldigung beim Turnwart« bekam nach erfolgloser Mahnung durch Turnwart und Vorstand »das Stimmrecht entzogen. Der Turnwart hatte dementsprechend über die Teilnehmer genau Buch zu führen. Interessanterweise fand diese Bestimmung allerdings in der Ursprungssatzung bei verheirateten Turnern keine Anwendung, war aber in der Satzung von 1966 durch folgende Entschuldigungsgründe ersetzt: »Wechselschicht, Krankheit, Todesfall in der Familie, Unwette«. Erst mit der Satzung von 1972, deren Grundzüge noch heute gelten, verschwand die verpflichtende Teilnahme an den Turnübungen.

 

Der Beitrag betrug zu Anfang übrigens 25 Pfennig im Monat, das Eintrittsgeld 1,00 Mark.

Dementsprechend bescheiden waren auch die Anfänge des Turnbetriebs mit zunächst Bodenturnen und Freiübungen, und nur durch eine großzügige Spende konnten die ersten Geräte (Pferd, Barren und Reck sowie 1 Schleuderball) für 308 Mark erworben werden, was die Sportmöglichkeiten deutlich erweiterte. Dadurch stieg auch die Mitgliederzahl bis Ende 1909 auf beachtliche 83 (angesichts einer Einwohnerzahl von etwa 300).

 

Man nahm regelmäßig an den mehrmals im Jahr stattfindenden Bezirks- und Gauturntagen der Umgebung teil von Ruppichterroth bis Euskirchen und Köln-Mühlheim und organisierte selbst am 09.06.1912 in Kaldauen das Turnfest des Sieg-Rhein-Gaues. Wahrscheinlich überwog dabei die Turnerzahl deutlich die Zahl der Einwohner des damals noch von Siegburg unabhängigen kleinen Dorfes.

 

Das Vereinsleben war sehr rege, und so bewirkte man am 8. Mai 1922 die Eintragung in das Vereinsregister beim Amtsgericht (damals noch in Hennef). Interessant sind dabei die (gerichtlich protokollierten) Berufe der Vorstandsmitglieder: 2 Lehrer, 2 Anstreicher bzw. Lackierer, je 1 Fabrikarbeiter, Schlosser, Schmlzer (?), Lokomotivheizer und Registraturassistent ...

 

Während der beiden Weltkriege kam der Turnbetrieb dann allerdings völlig zum Erliegen, zumal auch die am 29. Mai 1927 eingeweihte, in Eigenarbeit erstellte, vereinseigene Holz-Turnhalle stark beschädigt wurde. Davor hatte der Turnbetrieb im Saal der Gaststätte Braun (vormals Junkersfeld) stattgefunden. Die Halle wurde zwar nach dem 2.Weltkrieg durch die Mitglieder rasch wieder aufgebaut, neue Geräte beschafft und der Turnbetrieb wieder aufgenommen. Ende 1960 mußte sie aber wegen Baufälligkeit geschlossen werden. Das aktive Vereinsleben kam damit erneut völlig zum Erliegen.

In der Zwischenzeit war aber nach langem zähem Ringen (seit 1928) Kaldauen, das vorher zum Amt Lauthausen gehört hatte, zum 01.Oktober 1956 auf eigenen Wunsch in Siegburg eingegliedert worden. Das führte zu einem sprunghaften Anstieg der Bevölkerung in diesem neuen Siedlungsgebiet (von 320 in 1956 auf 1100 in 1966).

 

Bei der dadurch erforderlichen Erweiterung der Grundschule wurde Mitte 1965 auch eine Turnhalle neu erstellt, was dem Verein erstmalig ausgezeichnete Möglichkeiten sportlicher Betätigung eröffnete und das Vereinsleben neu aufblühen ließ.

Das bis dahin überwiegend betriebene Turnen wurde in den Folgejahren durch die neu entstehenden Abteilungen für Gymnastik, Leichtathletik und Volleyball verdrängt, erlebte aber in dem sehr beliebten Kinder-Turnen eine neue Blüte, allerdings unter völlig andersartiger Verwendung der »alten« Geräte. Hinzu kamen noch einige Trendsportarten wie Aerobic und Walking sowie auch spezielle Heilgymnastikkurse.

 

Die Mitgliederzahl wuchs stetig von etwa 300 Mitte der 70-er Jahre auf 400 in den 80-ern. Dabei spielte die Kinder- und Jugendarbeit (heute mehr als die Hälfte der Mitglieder) seit Beginn immer eine bedeutende Rolle, auch wenn zu Anfang die »Zöglinge« noch mehr als Nachwuchs für die Herrenriege gedacht waren.

 

Die Leichtathletik erfuhr in den 80-er und 90-er Jahren einen stetigen Niedergang und erlebte erst in den letzten 2 Jahren mit der Gründung des LAZ einen rasanten Aufstieg von fast Null auf jetzt 200 Mitglieder, davon 80% Kinder und Jugendliche, die Gesamtmitgliederzahl des Vereins stieg dadurch auf 650.

Die Einwohnerzahl von Kaldauen ist inzwischen aber auch auf knapp 8000 gestiegen, mit einem sehr starken Anteil junger Familien mit Kindern.